Interview - Tra Noi Dezember 2007
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Es ist Freitag, der 16. Dezember, und Tra Noi (martijn, Christina, Laurent & Suzan) wohnt dem Konzert von A Filetta in der Pieterskirche in Utrecht bei. Während der Tournee von A Filetta in den Niederlanden hat Laurent die Ehre, die Texte von Jean-Claude auf Niederländisch vorzulesen, um in die Lieder einzuführen. Die Kirche ist voll, und die Männer kommen herein. Es ist so still, als ob wir nicht mehr atmen können.
Die ersten Klänge halten das Versprechen, es ist wunderbar. Sie singen mehrere Lieder, die auf dem neuen Album 2008 erscheinen werden, Gesänge aus Medea, aus dem Requiem, von den Filmen Liberata und Himalaya.
Die Akustik ist hervorragend und das Publikum gerührt. A Filetta haben ihren Platz gefunden.
Nach einer Ovation kommen sie für ein letztes Lied noch einmal zurück.

Wir helfen Valérie beim CD-Verkauf. Es ist schön, die Begeisterung des Publikums zu sehen, für viele reicht eine CD nicht aus. Was man gehört hat, will man auch mitnehmen. Nachdem die Gruppe mit mehreren Fans gesprochen hat, gehen wir ins Restaurant. Und dort, auf dem schönen Kirchplatz von St. Pieter, bittet Suzan A Filetta, „Sub Tuum“ zu singen.
José und Maxime, die vorneweg laufen, werden zurückgerufen, es ist kalt, die Männer stellen sich im Kreis auf und holen die Ohren aus der Mütze. Es ist ein magischer Moment, hier auf diesem Platz, in der Kälte, es ist himmlisch! Welch ein Geschenk! Danach rufen wir: „ESSEN!“ und wir laufen los. Maxime hat den Stadtplan und führt uns. Paul und Ceccè haben ihren Spaß und versuchen, die vorbeifahrenden Radfahrer aufzuhalten, der Rest der Gruppe unterhält sich. Die Atmosphäre ist entspannt, es war ein schönes Konzert.
Im Restaurant bestellen wir viele Pizzas „A Filetta“ mit einem Bier, und wir beginnen mit dem Interview.
Laurent und Jean-Claude, die nebeneinander sitzen, eröffnen das Gespräch. Die einen hören zu, die anderen unterhalten sich miteinander.


Die erste Frage kommt von Christina. Sie betrifft die richtige Übersetzung eines Textes. (Christina schreibt die Texte in niederländische Gedichte um. Es handelt sich um das Lied „Caracolu di brame“ aus Intantu.)

Jean-Claude setzt sich und übersetzt es für sie. Auch für ihn ist das schwierig, und er nimmt bei den Erklärungen seine Hände zu Hilfe. Jean-Claude: „Dieser Text ist im Original auf Korsisch geschrieben, von meinem Bruder Marcellu. Er schrieb früher viele Texte für uns. Das Korsische ist eine sehr bildhafte Sprache, und wenn man es ins Französische übersetzt, verliert man manchmal die gewünschten Effekte.“

Tra Noi: Welches sind die Lieblingsdichter von Jean-Claude?

Jean-Claude: „Borgès, René Char, Aragon und Primo Levi sind die Dichter, die ich am meisten zitiere.“ Zum großen Vergnügen von Christina kommen Pessoa und Paul Eluard auch auf der Liste vor.

Tra Noi: Ist die Polyphonie eine Sache nur für Männer?

Jean-Claude: Polyphonie wurde in der Epoche gesungen, als die Menschen auf den Feldern arbeiteten. Die Männer sangen zusammen, weil sie zusammen arbeiteten. Dass es keine gemischte Polyphonie gibt, hat ästhetische Gründe: ihre Struktur ist derart, dass man die harmonischen Effekte beseitigt, wenn man Stimmen aus verschiedenen Stimmlagen mischt. Wenn man Männer und Frauen zusammen singen lässt, singen sie nicht im selben Register. Man weitet also das Register aus, das Spektrum, und man  erhält dabei nicht mehr denselben Klang.
Natürlich habe Männer zusammen gesungen und Frauen zusammen gesungen, aber nicht polyphonisch, ganz einfach weil es schwierig ist, eine genügend große Bandbreite der Stimmen zu finden. Ganz allgemein ist es schwierig, entweder Bässe zu finden oder Stimmen, die hoch genug singen können. Das ist ein Problem der Stimmlage. Wenn Männer und Frauen nicht zusammen sangen, hat das also mit der Organisation der Gesellschaft zu tun, eine rein ästhetische und musikalische Erklärung. Hingegen gibt es in den letzten 20 bis 30 Jahren Gruppen von Männern und Frauen, die komponiert haben, aber letztlich singen sie nicht auf dieselbe Art. Das ist keine wissenschaftliche Erklärung, aber es sind genug Elemente, die rechtfertigen können, weshalb das nicht existiert.

Tra Noi: Wie verläuft die Programmplanung für eine Tournee? Wer entscheidet, welche Gesänge einbezogen werden?

Jean-Claude: Das hängt von vielerlei Dingen ab. Wir beraten darüber gemeinsam. Sehr häufig hat es mit den Neuerscheinungen zu tun, damit, was wir gerne singen würden, mit der Ausbalancierung des Programms.
Um ein konkretes Beispiel zu nennen: in das Programm der Niederlande-Tournee haben wir eine bestimmte Anzahl Gesänge aus dem neuen Album einbezogen, das wir im Januar aufnehmen werden. Das erlaubt es uns, sie auszufeilen, aber auch sie reifen zu lassen. Von der Komposition bis zur Reife, das ist viel Arbeit.

Tra Noi: Habt ihr Orte, wo ihr am liebsten singt? Gibt es einen Saal, in dem ihr gerne noch einmal auftreten würdet?

Jean-Claude: Nicht direkt. Wir mögen eine bestimmte Akustik. Bestimmte akustische Verhältnisse passen besser zu dem, was wir machen. Die großen Säle mögen wir nicht so sehr, denn unser Gesang ist intimer, und dort muss er mit einer großen Anlage verstärkt werden. Das steht in keiner Beziehung mehr zu dem, was wir machen.
Wir singen auch nicht gerne in großen Kirchen. Dort gibt es eine Echowirkung, und das ist verwirrend. Der ideale Saal für uns ist eine Kirche mit 300 bis 400 Plätzen oder auch ein kleiner Saal mit einer guten Anlage. Dann hat man eine gute Verbindung zum Publikum, die nicht gestört wird.

Tra Noi: Viele Leute fühlen sich durch A Filetta sehr angezogen, ihre Harmonie, ihre Leidenschaft, ihre herrliche Musik, ihre Texte. Für mich (Suzan) seid ihr sieben Engel. Was ihr macht tut dem Herzen gut, es berührt einen, es umarmt einen. Wie ist es für euch, bejubelt zu sein und dennoch einfacher Korse zu bleiben?

Jean-Claude: Also, erst einmal macht es uns Freude, dass sie so eine Vorstellung von uns hat. Sie muss wissen, dass es bei uns in keiner Weise den Willen gibt, eine solche Vorstellung hervorzurufen. In diesem Zusammenhang möchte ich André Malraux zitieren: „Der Mensch ist weder Engel noch Tier. Wenn er den Engel spielen will, wird er zum Tier.“
Für uns sind zwei Sachen wichtig:
Erstens immer uns selbst gegenüber kritisch zu sein. An dem Tag, wo wir sagen werden: „Was wir machen ist gut“ wird es vorbei sein. Das wäre der Anfang vom Ende.
Unsere Einstellung besteht in der ständigen Suche nach einem Gleichgewicht, von dem man weiß, dass man es niemals erreichen wird, aber es ist wichtig, danach zu streben.
Zweitens immer bescheiden zu bleiben. Wir sind uns vollkommen bewusst, dass wir ohne denjenigen, der uns zuhört, absolut nichts sind. Das ist eine Gewissheit. Weil unser Gesang nur Sinn hat, wenn er gehört wird. Wir sind zutiefst überzeugt, dass so etwas wie ein Kollektiv existiert, eine Art, die Sachen gemeinsam auszudenken, durch den anderen, mit dem anderen als Gegenüber. So funktioniert unsere Musik. Diese Auffassung möchten wir gerne vermitteln. Und das geht nur, wenn man Leute hat, die uns folgen, die uns erlauben, dieses Abenteuer zu leben, von dem der ökonomische und der hierarchische Aspekt ausgeschlossen sind. Und das existiert in unserer heutigen Welt nirgendwo mehr. Manchmal sagen die Leute: „Ja, aber den ökonomischen Aspekt verfolgt ihr zwangsläufig auch, da ihr ja Konzerte und CDs verkauft…“ Ich gebe das zu. Aber wir haben das Glück gehabt ein Publikum zu finden, das uns folgt, und wir sind nicht gezwungen, Zugeständnisse auf künstlerischem Gebiet zu machen. Wir haben uns nie in der Situation befunden, sagen zu müssen: „Ok, wir müssen uns ein bisschen arrangieren, wir müssen eine Sache machen, die gut funktionieren wird.“ Was wir machen, machen wir. Das ist schwierig. Es ist nicht immer leicht Zuhörer zu finden, und dennoch haben wir ein Publikum. Und dank dieses Publikums, und weil es Leute wie euch gibt, können wir weitermachen. Von da ab kann man nur bescheiden sein.

Tra Noi: Am Ende seiner letzten Ankündigung teilt Laurent mit, dass nach dem Konzert die Möglichkeit besteht, CDs zu kaufen. Das hat Gelächter im Saal ausgelöst. Wie habt ihr das erlebt?

Jean-Claude: Gestern schon haben die Leute gelacht. Wir haben nochmal nachgedacht, und wir glauben, dass sie gelacht haben, weil es am Ende der letzten Ankündigung kam. Wir mussten da auch lachen, ganz einfach. Apropos, dieses Jahr haben wir in Calvi bei den Rencontres Giovanna Marini zu Gast gehabt. Eine beliebte italienische Sängerin, die fantastisch mit Stimmen gearbeitet hat. Das ist eine Dame zwischen 65 und 70. Sie tritt in ihren Konzerten mit drei anderen Sängerinnen auf. Während der Konzerte spricht sie viel und unterhaltsam zum Publikum. Und am Ende der Konzerte sagt sie: „So, ich will Ihnen was erklären. Wir haben CDs gemacht, und die Produzenten fabrizieren sie, wollen sie aber nicht verkaufen.Deshalb fangen unsere CDs an zuzustauben, und wir müssen sie putzen. Also, um das nicht mehr machen zu müssen, verkaufen wir sie selber.“ Dann geht sie hinter die Bühne und kommt mit Kartons voll CDs wieder. Sie setzt sich vorne auf den Bühnenrand und verkauft sie. Ihr Agent sagt, dass sie unglaubliche Mengen CDs verkauft, seitdem sie das macht. (Sie macht daraus ein Spiel.)
Für uns ist es ausgeschlossen, dass  wir so etwas machen. Wir würden das niemals wagen. Wir lachen viel darüber, weil diese Tournee die einzige ist, bei der wir ansagen, dass wir CDs verkaufen. Niemals vorher haben wir das gemacht. Um auf deine Frage zurückzukommen, wir haben sehr gelacht, aber das hat uns nicht gestört.
Maxime (lachend): Du hast gesagt: „… Altruismus und Selbsthingabe, nach dem Konzert gibt es CDs zu kaufen“. Und das alles im selben Tonfall. Das war poetisch. (Lacher)
Suzan: Das war wirklich witzig, und es hat Früchte getragen.

Tra Noi: Leidenschaft ist ein Wort, das immer wiederkehrt, bei euch selbst, auf der DVD, in den Interviews, auf der Bühne, aber auch beim Publikum. Bemerkt ihr nach bald 30 Jahren Bestehen manchmal, dass die Leidenschaft nachlässt? Was tut ihr, um das Feuer wieder anzufachen?

Jean-Claude: Hör zu, ehrlich, wir haben nicht den Eindruck, dass die Leidenschaft abnimmt. Sicher wird das eines Tages geschehen, aber bis jetzt haben wir es noch nicht verspürt. Zweifellos weil wir viele verschiedene Sachen machen.
Wichtig für eine Gruppe wie die unsere ist es, keinen Karriereplan zu haben. Wir sind immer offen für andere geblieben, für ihre Fähigkeit, uns etwas vorzuschlagen und umgekehrt. Das bringt uns jedes Mal weiter, das bereichert uns.
Das ist auch mit Bruno Coulais zusammen geschehen, als wir anfingen Filmmusik zu machen. Seitdem haben wir viel Filmmusik gemacht. Wir haben viele Musiker getroffen. Mit einem von ihnen haben wir übrigens das Requiem gemacht. Wir haben Bruno Coulais Orlando Forioso vorgestellt, einem neapolitanischen Regisseur, und seitdem haben sie viele Sachen zusammen gemacht. Das ist keine Flucht nach vorwärts. Das geschieht auf natürliche Weise. Eigentlich haben wir immer das Gefühl von etwas Neuem, etwas noch nicht Dagewesenen.

Tra  Noi: Christina möchte gern, dass Jean-Claude A Filetta mit einem Wort beschreibt.

Jean-Claude: Also…(Jean-Claude unterbricht sich, lacht, will seinen Satz fortsetzen, aber Christina ist streng und sagt „Ein Wort!“) Ein Wort.. Das heißt, ich rede zu viel…
Laurent: Es ist eher, weil wir so viele Fragen haben, und wenn wir sie alle stellen, sitzen wir beim Frühstück noch hier.
Suzan: Ein Wort um A Filetta zu beschreiben, das wäre… A Filetta?
Jean-Claude: Das sind zwei Wörter. Ein Wort… (Jean-Claude blickt sehr konzentriert) ein Wort… das wäre…(wir lachen), das wäre…(wir lachen wieder), ein Wort, das in Richtung anderer Sachen offen ist, weil ein Wort zu schwierig ist. Ich glaube, was mich betrifft, gibt es eine entscheidende Sache… (wir lachen nochmal)
Christina: Nein, ein Wort!
Jean-Claude: Ein Wort… (wir lachen), ein Wort, ich würde sagen SINCÉRITÉ (Wahrhaftigkeit), weil das ein Wort ist, das mehrere Aspekte abdeckt.
Suzan: Ein Wort reicht nicht aus.
Jean-Claude (erleichtert): Genau, absolut.

Tra Noi: Nächstes Jahr besteht ihr 30 Jahre. Gibt es Pläne, das zu feiern?

Jean-Claude: Dieses Jubiläum zu feiern? Keine. Wir haben darüber nachgedacht, 30 verrückte Konzerte zu geben, 30 CDs herauszugeben, es wäre nett gewesen, aber unmöglich. Wir haben also nichts Besonderes. Es gibt Dinge, die weitergehen werden. Wir werden weiter Alben herausbringen, Sachen in Angriff nehmen, die für uns wichtig sind. Es wird nichts Besonderes zum Jubiläum 30 Jahre A Filetta geben.

Tra Noi: Gibt es ein offizielles Datum zur Gründung von A Filetta?

Jean-Claude : Nein. Oktober 1978.

Tra Noi: Was uns als A Filetta-Fans fehlt, ist eine Live-DVD. Bestehen dafür Pläne?

Jean-Claude: Wir haben schon daran gedacht, aber nicht für ein normales Konzert. Es gibt bestimmte Sachen im Repertoire, die es verdienen würden, live aufgenommen  zu werden. Zum Beispiel: die Chöre von Medea. Wir sagen uns jetzt, dass wir sie live hätten machen sollen, und vielleicht als DVD. Weil das eine noch größere Wahrhaftigkeit gehabt hätte.
Als wir Medea aufnahmen, haben wir uns auf bestimmte Sachen konzentriert, und am Ende haben wir gemerkt, dass das nicht das war, worauf es ankam. Und die CD gibt nicht das her, was es live gewesen wäre.
Um auf deine Frage zurückzukommen:, wir denken mehr und mehr daran. Wir wissen auch, dass eine CD etwas sehr viel Kälteres ist. In unserer Art zu singen, gibt es Sachen, die mehr sprechen, als wenn man eine CD hört) Aber wir fragen uns: wäre mit einer DVD ein Konzert dasselbe wie im Konzert? Ich bin davon nicht überzeugt.

Tra Noi: Mal grenzenlos gedacht, welches wäre der verrückteste Traum, den ihr gerne verwirklichen würdet?

Jean-Claude: Ich weiß nicht, ob ich einen Wunsch für A Filetta aussprechen wollte. Ich würde etwas für den Planeten wünschen. Es mag anmaßend erscheinen, aber ich würde den Wunsch so formulieren: Dass unsere Art, in der Musik als Gruppe zu funktionieren, als Vorbild dienen mag.
Was ich sagen will ist Folgendes: Ich würde gerne in unserer Gesellschaft Respekt füreinander sehen, aber auch ein Sich-Ergänzen, Solidarität. Dass man sich gegenseitig braucht, dass einer für den anderen da ist, dass man diese Art zu funktionieren auch woanders in unserer Gesellschaft findet.
Dies ist nach meiner Vorstellung das Wertvollste, was wir geben können.

Tra Noi: Eine Frage zur Gruppe selbst, zum Sich-Ergänzen, zur Solidarität, wie erklärst du sie dir?

Jean-Claude: Das ist ganz einfach. A Filetta basiert nicht nur auf ästhetischen, musikalischen oder künstlerischen Elementen. Die Entstehung der Gruppe reicht ins Jahr 1978 zurück. Die Menschen, die nach und nach in die Gruppe eingetreten sind, sind Leute, die während einiger Zeit einen losen Kontakt mit der Gruppe hatten. Es gab sozusagen eine Art Annäherungsphase, und zu einem bestimmten Zeitpunkt sind sie ins Ensemble eingetreten. Das heißt, sie haben die Erfahrung von gefühlsmäßiger und philosophischer Nähe gemacht. Wenn man sich bei jemandem gut fühlt, kommt man ihm auf natürliche Weise immer näher.
Von der ursprünglichen Gruppe sind nur noch Jean und ich übrig. Danach ist Paul gekommen. Er war mit mir auf dem Gymnasium. Wir kannten uns, aber er sang nicht. Er war der Freund eines meiner Schulfreunde, der selbst gerne sang. Allmählich ist er zur Gruppe hinzugestoßen. Wir haben gemeinsame Interessen entdeckt, den Wunsch etwas zusammen aufzubauen. Mit den anderen war es genau dasselbe. José betreute zusammen mit einem der Gründer von A Filetta eine Gesangsschule in Ile Rousse. Nach kurzer Zeit war er ganz natürlich in die Gruppe hineingewachsen. Mit Maxime ist es dasselbe. Er sang viel Messen in den Confréries (Brüderschaften). Und zu einem bestimmten Zeitpunkt gab es eine Art Osmose, und er ist in die Gruppe eingetreten.
Mit Jean-Luc war es genauso. Als er klein war, kam er zu unseren Gesangskursen. Er hat zwei, drei Mal mit uns bei Passione gesungen, bei Sachen, die wir in Calvi aufführten. Auf natürliche Weise ist er der Gruppe beigetreten.
Bei Ceccè, meinem Neffen, gab es die Familienbande, aber auch ein Konzert in Calvi, in das wir andere Sänger einbezogen hatten. Er hat mit uns geprobt und gesungen. Danach gab es zwei Jahre, ohne dass wir zusammengearbeitet haben. Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt sind wir auf ihn zugegangen. Wir wussten, dass wir auf derselben Linie lagen.
Dies sind die Gründe dafür, dass wir einen bestimmten Klang haben. Um einen guten Klang zu haben, reicht es nicht aus, nur einzelne Stimmen zusammenzufügen. Bevor das klappt, muss man viele übereinstimmende Gefühle haben, eine gemeinsame Vision vom Leben, von Korsika, was sie sein könnte, was sie werden soll. Dies alles bewirkt, dass eine Gruppe auf dem harmonischen Gebiet sehr gebunden und straff ist. Es sind auch andere Leute in der Gruppe gewesen, aber sie sind nicht geblieben. Sie konnten sich nicht in diese Art zu arbeiten einfügen. Es kommt oft vor, dass die Leute, die uns auf den Tourneen begleiten, erstaunt über unsere Art des Funktionierens sind. Wir sind so etwas wie eine Herde, wir sind immer zusammen. Wenn einer von uns einkaufen gehen will, ruft er alle anderen an um zu fragen, wer mitgehen will. So funktionieren wir, und das beeinflusst die Musikalität der Gruppe. Wir brauchen das.

Inzwischen sind die Pizzen und der Nachtisch aufgegessen und die Kaffeetassen leer, wir würden gerne unsere Fragen noch bis zum Frühstück stellen, aber die Wirklichkeit schreibt vor, dass die „Männer“ morgen nach Antwerpen fahren, und da es Mitternacht ist, sagen wir Auf Wiedersehen.